Aequitas et Veritas

Zwischendurchgedanken

Serienmittwoch #45.

8 Kommentare

Kennt ihr dieses Paradoxon: Einerseits stehen die Deadlines vor der Tür, und du weißt nicht, wo dir der Kopf steht, weil du Projekte fertigstellen, Daten freigeben, an Meetings teilnehmen musst – und irgendwie ist kein Ende in Sicht. Andererseits schickt der Chef dir (und allen deinen Kolleginnen und Kollegen) eine Erinnerungsmail, dass doch bitte bis Ende des Jahres möglichst alle Urlaubstage zu nehmen sind und die Überstunden bitte auch – und du denkst: Schätzchen, wenn ich alle meine Urlaubstage nehmen und die Überstunden abfeiern würde, dann müsste ich erst nächstes Jahr wiederkommen, und du könntest die Projekte selbst machen und mit dir selbst meeten …
Lange Rede, kurzer Sinn: Hier steppt der Bär, hier boxt der Papst, hier ist die Hölle los. Deshalb komme ich erst heute dazu, Corlys Serienmittwochsfrage zu beantworten:

Was haltet ihr von dem neuen Trend, Serien so schnell einzustellen, wenn die Sendezahlen angeblich zu niedrig sind?

Zunächst einmal denke ich, dass es auch früher schon vorgekommen ist, dass Serien eingestellt wurden. Heute fällt uns das stärker auf, weil wesentlich mehr Serien auf den Markt geworfen werden und weil Serien heute – auch durchs Internet und durch die gigantische Marketingmaschinerie – für unsere Sehgewohnheiten wesentlich wichtiger sind.

Als jemand, der es gewohnt ist, Projekte immer mit Blick auf Kalkulationen und Verkaufszahlen zu konzipieren, würde ich sagen: Ja, ich kann es verstehen, wenn man Serien einstellt, wenn sich schon bald abzeichnet, dass sie bei den Zuschauern einfach nicht ankommen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende – und das Geld in andere Konzepte investieren. Man muss es ganz nüchtern sehen: Konzerne machen Serien nicht aus Lust und Liebe am Job, sondern weil sie Geld verdienen müssen und natürlich wollen.

Aber als Fan von eingestellten Serien wie Firefly, Dracula, Farscape, Deadwood, Kindred und Co. würde ich sagen: Geht gar nicht!
Es gibt Serien, von denen die Fans von der ersten Folge an begeistert sind – und dann gibt es Serien, bei denen die Zuschauer erst einmal einige Folgen sehen müssen, bevor sie Feuer fangen. Weil das Konzept so ungewöhnlich ist. Weil die Erzählweise eher ungewohnt und/oder langsam ist. Oder schlicht, weil sie schon oft die Erfahrung gemacht haben, dass sie sich für etwas begeistern, das dann doch eingestellt wird. Ich befürchte, dass die Serienvielfalt darunter ein bisschen leidet und wir am Ende primär mit Ärzte- und Krimiserien dastehen, weil diese allgemein kompatibel sind und SciFi-Serien oder Serien über das Übernatürliche immer nur eine Nischenzielgruppe erreichen werden. Hinzu kommt natürlich, dass Serien oft zu Zeiten ausgestrahlt werden, wo kein halbwegs vernünftiger Mensch vor der Glotze sitzt, der morgens um 6 Uhr aufstehen muss … oder dass sie zu Zeiten ausgestrahlt werden, wo bei den Mitbewerbern irgendwelche eingeführten, zuschauerstarken Serien oder Filme laufen und eigentlich abzusehen ist, dass das Neue hinten runterfällt.

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Autor: Aequitas et Veritas

Ungesagtes

8 Kommentare zu “Serienmittwoch #45.

  1. Huhu,

    das stimmt. Ist schon traurig irgendwie. Ich mein bei The 100 hab ich auch nicht ganz verstanden wieso die jetzt nicht auch um 20.15 kam. Die war von der Gewalt her nicht viel übler als die erste Staffel. Ein bisschen vielleicht. Und das war definitiv eine erfolgreiche Serie, die man nicht auf später verlegen muss.

    Ich versteh einfach das Chema dahinter nicht. Ich befürchte, dass den Sendern zwar aktuell dieses Verfahren was bringt, aber auf Dauer werden sie dadurch nicht überleben, weil dann immer mehr auf DVD oder Internet ausweichen, weil sie keine Lust mehr dazu haben. Aber natürlich denkt keiner mehr so weit. Das heutige Fernsehprogramm besteht überwiegend sowieso fast nur noch aus diesen Shows. Selbst Filme kommen auf manchen Sendern nicht mal mehr Samstags- oder Sonntagabends um 20:15 weil die von Shows abgelöst werden. Das Fernsehprogramm hat überwiegend keinen wirklichen Stil mehr und mittlerweile entdeckte ich auch kaum noch Serien, die mich im TV interessieren. Meistens sind es Serien, die wiederholt werden oder die ich eh schon kenne.

    LG Corly

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  2. Wie du schon sagst, bei den Unmengen an Serien fällt es heute natürlich viel schneller auf, wenn da etwas überraschend eingestellt wird.

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  3. Pingback: Serienmittwoch #45 – Das schnelle Einstellen von Serien – filmexe

  4. Total schrecklich, dass Serien gleich wieder abgesetzt werden. Die Macher haben überhaupt gar keine Möglichkeit diese Serien zu entwickeln, Charaktere zu schleifen, Stories zu verfeinern. Wenn das nicht gleich im Pilot sitzt – schnippschnapp – weg ist die Show. Das kann doch auch nicht Sache des Erfinders sein!

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