Aequitas et Veritas

Zwischendurchgedanken

Dienstag.

20 Kommentare

hashimoto-tabletten
Dass ich gern Serien und Filme schaue und auch sehr viel lese, wusstet ihr schon, wenn ihr häufiger hier vorbeischaut. Aber ich dachte, es wird Zeit, einmal von anderen Dingen zu erzählen. Deshalb habe ich mich für etwas entschieden, das mein Leben auch zu einem großen Teil beeinflusst:

Seit über zwanzig Jahren leide ich an Hashimoto Thyreoiditis, einer Autoimmunerkrankung, die mit einer chronischen Entzündung der Schilddrüse einhergeht. Der Körper bildet dabei Antikörper, die sich gegen die eigene Schilddrüse richten und ihr Gewebe zerstören (deshalb auch „Autoimmun-„). Einerseits braucht der Körper (die Schilddrüse) Jod, um bestimmte Hormone zu bilden (und ihr wärt überrascht, welche Organe das alles sind …), andererseits verstärkt der Konsum von Jod die Beschwerden, d. h. die chronische Entzündung, noch.

Als Betroffener hat man so richtig viel Spaß, wenn man mal wieder einen Schub hat (*ironiemodus*). Die Liste an Beschwerden ist dabei schier endlos und von Person zu Person natürlich verschieden – deshalb kann ich nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten:

Einerseits bin ich oft extrem müde, andererseits meldet sich mein Körper schon nach wenigen Stunden Schlaf mit: Hallo! Ich bin wach! Lass uns etwas unternehmen!
Ich leide unter Depressionsschüben und Gedächtnis-/Konzentrationsproblemen (Wortfindungsstörungen in Meetings sind eine großartige Sache) …
… reagiere auf Alkohol mit Herzrasen (was mich aber nicht von einem Gläschen Wein abhält) …
… friere oder schwitze ständig (hey, ich bin eine Frau, ich darf das) …
… nehme gelegentlich unkontrolliert zu (mmpf) …
… leide hin und wieder unter Bluthochdruck (das sind die tollen Tage: Du wachst morgens auf, stehst bereits völlig unter Strom, verspürst das Bedürfnis, dem Erstbesten mit der Axt eins überzubraten – und bist froh, dass du allein wohnst) …
… habe Angstschübe oder Panikattacken (auch ganz toll) und
… in Hochzeiten das Gefühl, dass mir etwas den Hals zudrückt. (Aber das bilde ich mir nur ein, sagt mein Arzt. Ja, klar …)

Es gibt schlechte und gute Tage, aber weil ich weiß, dass manche Beschwerden auf die Erkrankung zurückzuführen sind, kann ich besser mit Tiefpunkten umgehen. Das ist manchmal psychisch und emotional sehr anstrengend, aber das sind dann eben die Tage und Wochen, an denen ich tief durchatme – und die Axt zu Hause lasse.

Auch großartig: Mediziner sind hier oft wenig hilfreich, weil sie sich hinsichtlich der Ernährungsvorschriften nicht einig sind – ich korrigiere mich: Du bekommst überhaupt keine Hinweise zur richtigen Ernährung! Oder sie geben teils widersprüchliche Informationen. Der eine sagt: „Sie nehmen doch Medikamente – da können Sie essen, was Sie wollen.“ Der andere sagt: „Sie sollten wenigstens abends auf Milchprodukte und rote Säfte bzw. Rotwein verzichten. Diese Stoffe fördern Entzündungen im Körper.“

Und so futtere ich jetzt seit Jahren die obigen Tabletten – bei denen die Hersteller, wie man sieht, nicht in der Lage sind, die Wochentage aufzudrucken, sodass man gleich merkt, ob man bereits eine Tablette genommen hat oder nicht. Deshalb darf der Benutzer die Wochentage händisch ergänzen und sich so selbst behelfen, um den Überblick zu behalten.

So, jetzt wisst ihr etwas mehr über mich. 🙂

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Autor: Aequitas et Veritas

Ungesagtes

20 Kommentare zu “Dienstag.

  1. Ich finde es immer gut, wenn man mit Krankheiten (welcher Art auch immer) offen um geht. Auch wenn es wahrscheinlich Überwindung kostet, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Deshalb immer mein Respekt!

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  2. Respekt, sich so zu outen. Damit hast du mich total überrascht.
    Umso mehr freu ich mich, dass du trotz aller widrigkeiten deinen job nachgehen kannst und auch Sachen machen kannst wie die Frnakfurter Buchmesse. Das ist sicherlich nicht einfach und mit Problemen verbunden aber si du wie herüber kommst, lässt du dich davon auch nicht unterkriegen.

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  3. Ich kenne das, was du in deinem Artikel beschreibst, leider nur zu gut. Ich leide selbst auch an dieser Krankheit.
    Dennoch schockiert mich das Ausmaß deiner Symptome doch etwas. Bei mir ist es eigentlich so, dass ich, seit ich die Tabletten nehme und die Dosis richtig eingestellt wurde, nur mehr sehr selten und nur eher schwache Symptome bemerke.
    Bevor Hashimoto Thyreoiditis bei mir festgestellt wurde, ging es mir halbwegs schlecht. Ich war ständig (und zwar wirklich ständig) extrem müde und hätte meine Zeit am liebsten nur schlafend verbracht. Außerdem hatte ich null Motivation irgendetwas zu machen und Konzentrationsprobleme. Was mich trotz Tabletten bis heute begleitet ist das Gefühl, dass mir etwas den Hals zudrückt. Für mich ist es beinahe unmöglich einen Rollkragenpullover, Halstuch oder ähnlich eng am Hals anliegendes zu tragen, da ich das Gefühl habe, es würde mir den Hals zuschnüren. Außerdem konnte ich vor den Tabletten nicht abnehmen, trotz strenger Diät ging kein Gramm runter.
    Seit ich die Tabletten bekommen habe, habe ich endlich abnehmen können (und auch mein Gewicht halten), bin wieder fitter und motivierter. Ich habe zwar nach wie vor Schlafstörungen, aber dass dies von der Krankheit kommen kann habe ich bis jetzt nicht gewusst, sondern es einfach als „normale“ Schlafstörung abgetan. Auch merke ich es, dass ich sehr schnell zu nehme, wenn ich eine Zeit habe, wo ich sehr viel Esse (zB. Weihnachtsfeiertage), aber ansonsten kann ich wieder normal Essen.
    Seit einiger Zeit muss ich nur mehr jährlich (statt halbjährlich) zur Untersuchung und seit ca. 3 Jahren ist meine Dosis auch gleich geblieben.

    Ich wünsche dir alles Gute und wünsche dir, dass sich deine Symptome bessern
    Schöne Grüße
    Sarah

    Gefällt 2 Personen

    • Ich habe diese Symptome auch nicht ständig – und vor allem auch nicht gleichzeitig. Dann würde ich wahrscheinlich durchdrehen. Wie damals, als ich wochenlang nachts nur 3 oder 4 Stunden Schlaf bekam und nervlich völlig am Ende war. Schließlich meinte mein Radiologe (und Du kannst Dir vermutlich aus eigener Erfahrung vorstellen, wie lange ich auf den Termin warten musste …): „Warum nehmen Sie denn Tablette X? Sie haben doch Hashimoto, da dürfen Sie diese Tabletten gar nicht nehmen.“ Ähm, herzlichen Dank, dass das endlich mal jemand merkt … 😉

      Die Sache mit den Rollis oder den Halstüchern kenne ich von Leuten, die die OP schon hinter sich haben. Das ist tatsächlich ein Problem, das ich nicht habe – ich trage im Winter unheimlich gern Rollis und Halstücher und ähnliches.
      Auch Dir alles Gute!

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  4. Mein Respekt dafür, dass du so nüchtern und unbefangen darüber sprechen kannst. Ich bin beeindruckt. 🙂

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  5. Ich kann mich nur anschließen: Hut ab! :o)

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  6. Also, ich hab das schon gewusst, aber dass du es jetzt veröffentlichst – dazu auch mein großer Respekt! Vielleicht findest du jetzt auch die Unterstützung, die du brauchst. Alles Liebe. …

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