Aequitas et Veritas

Zwischendurchgedanken

Ins Kino gegangen …

5 Kommentare

Hacksaw Ridge. Zweiter Weltkrieg im Mai 1945: Während des Kampfes um die japanische Insel Okinawa sticht ein einziger Mann aus der Masse der US-Soldaten heraus. Der Kriegsdienstverweigerer Desmond Doss (Andrew Garfield) riskiert alles und kämpft unbewaffnet bis zur völligen Erschöpfung für das Leben seiner verwundeten Kameraden. Vorausgegangen ist diesem heroischen Akt ein wochenlanger Kampf darum, seinem Land nicht mit der Waffe, sondern nur als Sanitäter dienen zu dürfen – und dafür die Verachtung seiner Kameraden zu ertragen.

„Hacksaw Ridge“ wurde bei der diesjährigen Oscar-Verleihung mit zwei Auszeichnungen belohnt (für Bester Schnitt und Bester Ton); nominiert war er sechsmal. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Unter dem Strich würde ich sagen, dass ich persönlich den Film eher so lala fand (sorry …). Vor allem liegt das sicher daran, dass ich ein ganz großes Thema mit amerikanischem Hurrapatriotismus habe, Filmen, in denen ein Underdog sich gegen Widerstände als militärischer Held entpuppt. Im Grunde ist Desmond eine Art Messias, der sein Leben für Freund und Feind gibt und gleich noch seine Widersacher zum Licht führt. Und das Ganze verpackt Regisseur Mel Gibson in Schlachtenbilder, die ihresgleichen suchen. Innereien, abgesprengte Körperteile, wegfliegende Hirnmasse – wie Gibson christlichen Pazifismus und Gewaltbilder zusammenbringt, ist schon irgendwie schizophren. Vielleicht war das der Grund, warum ich zur inneren (christlichen) Motiviation des Hauptdarstellers so überhaupt keinen Bezug bekommen habe – Töten ist okay, Hauptsache, du hast deine Bibel dabei. Ich musste beim Betrachten des Films unwillkürlich an „Die vier Federn“ denken, einen Film, in dem es auch um einen Pazifisten geht, der wegen seiner Entscheidung gegen einen Kriegseinsatz von der Gesellschaft, seinen Kameraden und seiner Verlobten verachtet wird. Seinen Pazifismus fand ich glaubwürdiger und auch konsequenter als den von Desmond, der zwar ohne Waffe in den Krieg zieht, aber im Grunde davon ausgeht, dass seine Kameraden schon die japanischen Feinde niedermetzeln werden.

Meiner Meinung nach hatte der Film aber auch Aspekte, von denen ich gern mehr gesehen hätte. Die für mich tragischste und faszinierendste Figur war Desmonds Vater Tom (gespielt vom genialen Hugo Weaving, der einfach ein großartiger Darsteller ist), der als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft und dort seine Freunde verloren hat. Diese Erfahrungen von Sterben und Tod haben ihn so traumatisiert, dass ihm sein Leben völlig entglitten ist. Er wird zum Alkoholiker und verprügelt mit schöner Regelmäßigkeit Frau und Söhne. Noch fast 30 Jahre später geht er immer wieder zum örtlichen Friedhof, um dort mit seinen gefallenen Freunden zu „sprechen“. An seinem Beispiel kann man sehr anschaulich sehen, wie sein Trauma auch die nächste Generation vergiftet, denn Desmond hat die unkontrollierbare Wut seines Vaters geerbt. Und er wird m. E. nicht primär deshalb zum Kriegsdienstverweigerer, weil er erkennt, dass Töten Sünde ist, sondern weil er am eigenen Leben der zerstörerischen Kraft des Tötens begegnet, als er zweimal aus Wut fast den Tod von Menschen herbeiführt.

By the way: Bin ich die Einzige, die sich gefragt hat, warum die Japaner das Netz an der Klippe nicht einfach abgeschnitten haben, um die Nachschubtruppen davon abzuhalten, überhaupt erst hinaufzukommen?! Und wie kam dieses Netz überhaupt auf die Klippe hinauf?

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Autor: Aequitas et Veritas

Ungesagtes

5 Kommentare zu “Ins Kino gegangen …

  1. Der Film ist hier schon seit einigen Wochen aus den Kinos raus.
    Ich fand auch, das Hugo Weaving den Rest an die Wand gespielt hatte.
    Das Netz hochzubekommen ist übrigens nicht so schwer. Mit einer Art Harpune schießt man Enterhaken hoch. Wenn die sich dann irgendwo verfangen haben, kann man am angehängten Seil hochklettern. Danach folgt dann das Netz.

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  2. Hmm. Ich denke, der Film hätte besser sein können, als er jetzt war. Grundsätzlich war er schon ok, insbesondere wegen Hugo Weaving, der Filmmusik und den Szenen aus der „Vor-Kriegszeit“.
    Die Gerichtsverhandlung / Gefängnisphase fand ich am schwächsten, die Armee-Ausbildung ok (auch wenn es eher ein Aufguss von Full Metal Jacket war), die Kampfszenen wäre noch intensiver gewesen, wenn die japanische Seite stärker ausgearbeitet worden wäre.
    Ich war grunsätzlich zufrieden mit dem Film, habe jetzt auch dazu bereits die DVD hier (aus den USA bestellt, da ist der Film bereits auf DVD raus). Kann man kucken, besser als viele andere Kriegsfilme der letzten Jahre.
    Aber kein Klassiker, der neue Maßstäbe gesetzt hat.

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