Aequitas et Veritas

Zwischendurchgedanken

Ins Kino gegangen.

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1638 brechen Pater Sebastião Rodrigues und Pater Francisco Garrpe von Portugal aus ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira seinem Glauben abgeschworen habe. Nach ihrer Ankunft werden sie Zeugen, wie brutal und unmenschlich japanische Untergrundchristen durch die Machthaber ihres Landes verfolgt und getötet werden. Angesichts der schrecklichen Ereignisse stellt sich Sebastião auf seiner Reise durch das Land die immerwährende Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen?

„Silence“ von Martin Scorsese ist nicht nur aufgrund seiner Länge (161 Minuten) ein wirklich intensiver Film. Auch das Thema der Christenverfolgung wird in einer erschreckenden Deutlichkeit präsentiert, und wer müsste da nicht an die aktuellen Ereignisse in islamischen Ländern wie Syrien oder Irak denken … Wobei der Film eine Reihe von (zusammenhängenden) Fragen aufwirft, die unterschiedliche Betrachter unterschiedlich stark beschäftigen werden. Angefangen vom naheliegenden „Warum schweigt Gott zum Elend, zu den Misshandlungen, den Folterungen und Ermordungen? Wo ist er, wenn Menschen solche Schrecken erleiden?“ (Was im Film am Ende mit „An deiner Seite“ beantwortet wird) über die Frage, ob das Abschwören durch den Tritt auf ein Bildnis nur eine äußere Formalität ist, aber nichts mit dem wahren inneren Glauben zu tun hat, oder auch – mein Favorit (flapsig ausgedrückt, eine Art Running Gag) – ob Vergebung wirklich in jedem Fall auf so einfachem Wege wie Bekenntnis der Schuld erlangt werden kann. So wirklich beantwortet werden die Fragen Gott sei Dank nicht; hier kann sicher jeder Zuschauer für sich eine Antwort finden.
Szenen, die ich mir gern mehrfach angeschaut hätte, um sie wirklich „durchkauen“ zu können, waren die Gespräche zwischen Rodrigues und Inquisitor Inoue. Hier geht es nicht nur darum, dass man sich gegen die Einmischung fremder Mächte verwahrt und der Auffassung ist, die Kultur Japans vertrage sich nicht mit dem Christentum (was einer der Hauptgründe zu sein scheint, warum man Christen so intensiv verfolgt – ganz zu schweigen davon, dass man sich vor einem Aufstand der Bauern und Fischer fürchtet, bei denen der christliche Glaube Wurzeln geschlagen hat). Dem hält der Pater entgegen, dass er den Menschen die Wahrheit bringt und dass diese Wahrheit unabhängig von Zeit und Ort gültig ist (sein muss).
Auch sehr interessant: die Darstellung bzw. die Rolle der Natur. In der ersten Hälfte des Films regnet es fast unablässig; es ist neblig und grau in grau; die verfolgten Menschen sind schmutzig, die Straßen matschige Pfade. Doch spätestens nach der Festnahme von Pater Rodrigues wird es zunehmend trockener und sonniger und in gewisser Hinsicht auch „aufgeräumter“ und sauberer.

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Autor: Aequitas et Veritas

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