Aequitas et Veritas

Zwischendurchgedanken

Ich bin ein Rechtschreibnazi.

10 Kommentare

Gibt’s keine anderen Probleme?, höre ich Sie fragen, mit ähnlichem gefaltetem Gesichtsausdruck wie meine Kollegen. Doch klar, die gibt es. Die Bedrohung der europäischen Aufklärung durch populistische Bewegungen zum Beispiel. Der Punkt ist bloß: Die Ausbreitung des Deppenleerzeichens ist ein Geschwisterchen dieses Phänomens. Denn es zeigt die Verführungskraft von irrationalen Moden, die Abschüssigkeit von Irrwegen, die immer leichter zu betrampeln werden, je mehr Leute denselben Denkfehler machen. Oder das Nachdenken einfach sein lassen.
Ich will kein DHL Paket und keine ICE Fahrkarte, ich will ein DHL-Paket und eine ICE-Fahrkarte, denn ich werde ungern von Unternehmen beliefert oder befördert, die die Gesetze der Logik opfern, um einem Trend hinterherzudackeln, den irgendwer einmal in die Welt gesetzt hat, weil ihm die angelsächsische ungekoppelte Schreibweise irgendwie, äääh, weltläufiger vorkam.

Jochen Bittner

Mehr zum Deppenleerzeichen findet ihr in der Kolumne von Jochen Bittner: Bindestrich? Voll AfD-mäßig. Eine Kollegin hat mir gestern diesen Link zu einer Kolumne von Bittner geschickt, der offenbar ebenfalls ein Rechtschreibnazi ist und auf ebenso wenig Verständnis stößt wie ich, wenn ich auf fehlende Bindestriche in Werbetexten hinweise – schreibe ich und schiele auf meine „I’m silently correcting your grammar“-Tasse. Ich beschließe, diesen Begriff zu recherchieren, der mir im Gegensatz zum Deppenapostroph noch nicht untergekommen ist, und merke: Es gibt viele Leidensgenossen und -Genossinnen, die wie ich darunter leiden. Und auch bereits eine Website auf die Beine gestellt haben. 😉

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Autor: Aequitas et Veritas

Ungesagtes

10 Kommentare zu “Ich bin ein Rechtschreibnazi.

  1. Ich bin ja auch ein Rechtschreibnazi, aber (dass dieser Satz auch anders beginnen kann – oh Wunder)

    mich deucht, Herr Bittner übersieht bei seinem Parallelismus die Tatsache, dass er der Rechtschreibung keinen Gefallen thut. Ja, thut. Weil Luther das noch so geschrieben hat. Wir Sprachnazis (damit sich die Genitiv-Fans nicht ausgeschlossen fühlen) müssen immer den Spagat hinbekommen zwischen „richtiges Deutsch“ weil „sinnvolles Deutsch“ und „schönes Deutsch“ auf der einen und „echtes Deutsch“. Sprache ist natürlich mehr als die Menge der Abbildungsfunktionen, die sie leistet, aber dennoch immer Moden unterworfen. „cf“ statt „s.“ sieht man in Anmerkungen zu Sachtexten auch kaum noch. Und die deutsche Sprache ist vielfältiger, als dem Pamphlet sein Urheber (in der rheinischen Variante des Deutschen korrekt, cf die Bühnenprogramme von Konrad Beikircher) unterstellt. Wenn er auf die Rückabwicklung der Sprache auf den Stand … sagen wir der 50er Jahre bestünde … ohne dafür gute Gründe zu haben, bedient er sich der gleichen Argumentationsweise wie so mancher konservative Ultra, der seine gesellschaftspolitische Heimat bei der … Nunja. Der Rest ist Schweigen. 😉

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  2. Also der Bindestrich bleibt bei mir 🙂 Ich kauf zwar keine ICE – Fahrkarte aber den Balken gebe ich nicht her.

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  3. Es müssen nur lang genug diese falschen Schreibweisen praktiziert werden und irgendwann stehen sie dann tatsächlich im Duden. Weil der ja nicht aus der hohlen Theorie Regeln vorgibt, sondern den sich entwickelnden Sprachgebrauch bzw. Rechtschreibung abbildet. Leider.

    Ich sehe aber hier ein paar Menschen, die genauso hartnäckig den Bindestrich nach wie vor verwenden und dieser unseligen Entwicklung entgegensteuern. Rechtschreibnazi ist ein Begriff, den ich so gar nicht mag. Aber trotzdem bin ich auch einer.

    Vielen Dank für den Link zur Deppenleerzeichen-Homepage (siehe da, ein Bindestrich!), dort werde ich gleich mal ausgiebig stöbern gehen.

    LG Gabi

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