Ins Kino gegangen …

God's Own Country
God’s Own Country. Das Leben des 24-jährigen Johnny Saxby ist karg und einsam. Er lebt und arbeitet auf der abgelegenen Schafsfarm seiner Familie in Yorkshire. Zwischen ihm, seinem kranken Vater und der stoischen Großmutter fallen nur wenige, grobe Worte.
Um seine Frustration zu betäuben, betrinkt er sich jeden Abend im nahe gelegenen Pub und hat ab und zu unverbindlichen Sex mit jungen Männern. Als im Frühjahr der nur wenig ältere Saisonarbeiter Gheorghe aus Rumänien auf die Farm kommt, ist Johnny zunächst misstrauisch und mürrisch. Doch je mehr Zeit die beiden jungen Männer während der harten Farmarbeit miteinander verbringen, desto intensiver wird ihre Beziehung. Aus flüchtigen Blicken und Gesten werden Berührungen, bis sie in der Abgeschiedenheit eines Camps in den Hochmooren das erste Mal Sex miteinander haben.
Johnny begehrt Gheorghe aber nicht nur körperlich, er fühlt bei ihm auch eine Geborgenheit, die er zuvor nicht kannte. Doch was passiert, wenn die Saison zu Ende ist und Gheorghe zurück nach Rumänien muss?

Auf den kleinen Film „God’s Own Country“ bin ich eher zufällig gestoßen. Zunächst ließ ich ihn außer acht, da ich aufgrund des Titels hinter „God’s Own Country“ einen patriotischen amerikanischen Militärfilm vermutete oder zumindest doch einen Film, der mir das amerikanische (Hinter-)Land und seine Bewohner und ihre (Widerstands-)Kraft nahebringen sollte. Weit gefehlt. Aufmerksam wurde ich dann doch, als ich auf Vergleiche mit „Brokeback Mountain“ stieß und darauf, dass der Film zahlreiche Preise bzw. Nominierungen eingeheimst hat. Spätestens da war mir klar, dass ich es mit einem Schwulenfilm zu tun hatte, womit ich aber kein Problem habe – ein gut gemachter Film ist ein gut gemachter Film. Was nicht bedeutet, dass ich nicht bei zwei, drei Szenen große Augen und rote Ohren bekam. *hüstel*

Der Film kommt ungemein authentisch daher: Er spielt auf einer etwas abgelegenen Farm; wir bekommen ein erstaunlich gutes Bild von der Arbeit auf dem Hof, harter Arbeit, vom Dreck/Mist, Tod, Krankheit, Geburten … Obwohl der Film in Yorkshire spielt und eine Liebesgeschichte ist, sehen wir hier keine romantischen grünen Hügel und blauen Himmel; es regnet, ist kalt, die Wolken hängen tief, die Menschen, die hier leben, sind so wortkarg wie das Leben hart ist. Im Besonderen gilt das für Johnny, seinen Vater und die Großmutter; Johnnys Mutter ist schon vor Jahren verschwunden, da sie das Leben auf der Farm nicht ertragen hat. Der Vater ist nach einem Schlaganfall hilflos und auf zwei Krücken angewiesen ist und kann bei der Arbeit nicht länger helfen; aber Anweisungen geben kann er noch, was bei seinem Sohn für ständigen Frust sorgt, den dieser mit Alkoholexzessen und bedeutungslosem Sex zu kompensieren versucht. Er ist ein maulfauler, mürrischer Einzelgänger, hat scheinbar ständig schlechte Laune und hasst nicht nur sein Leben. Die Großmutter spielt hier nicht die Rolle der Vermittlerin, sondern kümmert sich lediglich um den Haushalt und vermittelt auch sonst keinerlei Geborgenheit.

In diese Situation hinein kommt der rumänische Saisonarbeiter Gheorghe, der gleich erkennt, wie wenig Zuneigung in dieser Familie herrscht. Johnny begegnet ihm, wie er eigentlich allen (Männern) begegnet: kalt, abweisend, als derjenige, der hier das Sagen hat. Doch mit derselben Geduld, mit der sich der Rumäne um ein mutterloses Lämmchen kümmert, kümmert er sich “ er gewissermaßen auch Johnny. Während die erste sexuelle Begegnung der beiden noch von Johnnys üblicher Aggressivität und von fehlender Wärme geprägt ist, „zähmt“ Gheorghe gewissermaßen auch Johnny und zeigt ihm, dass das Miteinander zweier Menschen auch von Wärme und Zuneigung bestimmt sein kann. Und so, wie die Beziehung zu Gheorghe zunehmend wärmer wird, verändern sich auch die Beziehungen zu seinem Vater und seiner Großmutter. Durch Gheorghe erkennt Johnny, dass es auch ein anderes Leben für ihn geben könnte: eines mit Geborgenheit und zwischenmenschlicher Nähe/Liebe, auf einer Farm, die zwar nie frei von harter Arbeit sein wird, aber doch seine Farm sein könnte.

Mein Fazit: Ein Film, der mich zutiefst berührt hat. Unbedingte Empfehlung!

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Doctor Who: Meet the new Doctor.


Doctor Who. Wow, wie von vielen schon lange erhofft, ist der neue Doctor eine Doctorin! Oder eine Doctorette? Ab Weihnachten dürfen wir den Abenteuern von 13 aka Jodie Whittaker („Broadchurch“) folgen!
Was denkt ihr? War es Zeit? Blasphemie? Seid ihr neugierig? Positiv überrascht? Werdet ihr weiter einschalten oder kommt ein weiblicher Doctor nicht infrage?

Lesestoff.

dunn-miss-daisy1Carola Dunn: Miss Daisy und der Tote auf dem Eis (Band 1). England in den Zwanzigerjahren: Die junge Adlige Daisy Dalrymple ist nach dem Tod ihres Vaters gezwungen, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Sie beschließt, eine Karriere als Reporterin zu machen, und gewinnt ihren Vorgesetzten bei Town and Country für ihre Idee, eine Artikelserie über die Anwesen englischer Adliger zu verfassen. Ihr erster Einsatz führt sie nach den Weihnachtsfeiertagen 1922 nach Wentwater Court, dem zauberhaft gelegenen Gut des gleichnamigen Grafen und seiner jungen Frau.
Aber der Schein der Idylle trügt: In Wentwater Court hat sich die gesamte Familie des Grafen versammelt, und Daisy erkennt sehr schnell, dass es viele unterschwellige Konflikte gibt. Und als dann im zugefrorenen See die Leiche eines weiteren Gastes gefunden wird und sich herausstellt, dass es sich bei diesem Todesfall nicht um ein Unglück gehandelt hat, könnte jeder der Täter gewesen sein.
Gemeinsam mit Chief Inspector Alec Fletcher von Scotland Yard löst Miss Daisy ihren ersten Fall …

Meine Rezension zum Buch könnt ihr hier nachlesen: Chridhe.

Serienmittwoch Nr. 27.

Da ich zurzeit von einem Meeting ins nächste muss und auch dazwischen kaum Zeit habe, gibt es meine Antwort auf Corlys Serienmittwoch-Frage erst nach Feierabend. 🙂

Sucht euch eure allerliebste Lieblingsserie heraus, und nennt 5–10 Gründe, wieso ihr diese Serie so liebt.

Das stellt mich erst einmal vor die Herausforderung, festzulegen, welches überhaupt meine allerliebste Lieblingsserie ist. Mmpf. Ich würde sagen, es gibt viele, die ich wirklich sehr, sehr gern schaue und von denen ich (fast) alle Folgen auf DVD besitze. Deshalb wähle ich jetzt einfach eine Serie, die hier noch nicht so präsent war: Call the Midwife.

1. Schauspieler
Viele Serien sind heutzutage so beliebt, weil die Darsteller jung und schön sind. Und dann schaut man ggf. auch über schauspielerische Defizite hinweg (würde natürlich niemand zugeben). 🙂 Das ist hier nicht der Fall: Die Darsteller stammen aus unterschiedlichen Altersstufen und werden in wirklich unvorteilhafte Kleidung gesteckt – aber sie machen ihre Sache so gut, dass ich ihnen Woche für Woche abnehme, dass sie wirklich Nonnen und/oder Hebammen sind; dass sie im Armenviertel des Nachkriegslondons leben; dass sie Kinder zur Welt bringen, aber auch sterben sehen; dass sie Menschen betreuen, die unter erbärmlichsten Umständen leben.

2. Vielfältige Charaktere
Der Fundus an Charakteren (neben den Nonnen und Hebammen spielen auch der Hausmeister, ein Polizist, ein Pfarrer und hin und wieder ein Freund/Ehemann größere Rollen) ist groß und vielfältig, aber trotzdem hat jede(r) von ihnen eine gut durchdachte Biografie und ihr eigenes Schicksal im Rahmen der Serie. Die Figuren werden mit neuen, ungewohnten Situationen konfrontiert, an denen sie wachsen müssen. Und selbst Lebensumstände oder Lebenserfahrungen, die damals ein Skandal waren (Homosexualität, Abtreibung, Inzest, Kinderschwangerschaft etc.), werden mit einem großen Herzen und viel Liebe behandelt. Da einige der Hauptfiguren Nonnen sind, könnte man erwarten, dass sie auf vieles mit wenig christlicher Nachsicht reagieren, aber genau das Gegenteil ist der Fall.

3. Stories
Die erzählten Geschichten sind vielfältig und werden sehr authentisch und realistisch vermittelt. Es geht um Armut, um Kinderreichtum, um Downies, um Lebenserwartungen, Homosexualität, schwierige Eltern-Kind-Beziehungen, Wochenbett-Depression, um Kuckuckskinder und Untreue, um Vergewaltigung, das Frauenbild Mitte des 20. Jahrhunderts, Altersdemenz, Alkoholismus, gewalttätige Ehemänner, Kindstode und vieles, vieles mehr.

4. Zeitkolorit
Der Zuschauer erfährt auf unterhaltsame Weise, wie sich die britische Geschichte in den Fünfzigern und Sechzigern entwickelt. Wie sich das Frauenbild entwickelt. Wie sich die Medizin entwickelt.
Aber wenn mir jetzt noch jemand erklären könnte, wie es den Machern gelingt, Geburten so realistisch zu präsentieren …

5. Musik
Ich liebe die Musik aus der Mitte des 20. Jahrhunderts – und zu einer Serie, die in dieser Zeit spielt, gehört natürlich auch die richtige Musik. Und die fließt hier ein, ohne dass man – wie heute so oft – regelrecht mit Musik bombardiert wird, sodass man die Dialoge nicht mehr versteht.

6. Das ganz besondere Etwas
Ich gehöre nicht zu denjenigen, die heulen, wenn im Fernsehen oder Kino gestorben wird. Aber Call the Midwife gelingt es jede Woche, mich zu Tränen zu rühren: weil jemand stirbt, weil jemand Vergebung erfährt, weil jemand unter schrecklichen Bedingungen lebt, aber trotzdem das Beste daraus macht, weil jemand den Mut hat, das eigene Schicksal offenzulegen …
Aber trotz all der schlimmen Aspekte ist immer noch Raum für Humor und Liebe.

After Edit:
Durch Zufall bin ich gerade auf einen sehr guten, neuen Artikel zum Thema „Why Call The Midwife Is The Best Show You’re Not Watching“ gestoßen!